Biologische Medizin

Die Sache mit dem Eisen

Erfahrungen aus 25 Jahren Eisentherapie

 

Etwa 60% bis 70% der Frauen, 10% der Männer und auch bereits Kinder leiden heute häufig unter einem chronischen Eisenmangel. 

 

Eisen, gebunden im Blutfarbstoff Hämoglobin, aber ist der wichtigste Energie-/ Sauerstoffträger des Körpers und damit von größter Bedeutung für den gesamten Stoffwechsel. 

 

Chronischer Eisenmangel kann zu einer ganzen Reihe von oft diffusen unspezifischen Symptomen führen. Um nur einige zu nennen: 

 

Allgemeine Symptome

 

• Energieverlust, Fatique 

• chronische Erschöpfung

• Schwäche, Unwohlsein, Müdigkeit

• verminderte Leistungsfähigkeit

• blassfahles Gesichtskolorit, dunkle Augenränder, blaue Skleren, blässliche Lippen

 

Infekte, Autoimmun

 

•  Infektanfälligkeit

•  Morbus Hashimoto

 

 

Haut & Haar

 

•  dünnes Haar, Haarausfall

•  trockene, unreine Haut

•  schlechtes Nagelwachstum

 

Kinderwunsch

 

  Eizellqualität / Kinderwunsch

 

Neurologische Symptome

 

  psychische Labilität

  depressive Verstimmungen

  Stimmungsschwankungen

  Konzentrationsstörungen

  Schlafstörungen

•  Restless Legs

•  ADHS

•  Kopfschmerzen

  Migräne

 

Liegen diese Symptome vor ist immer auch an einen chronischen Eisenmangel zu denken.

 

Warum eigentlich ist der Eisenmangel so häufig? Ursachen des chronischen Eisenmangels

 

Die Ursachen des chronischen Eisenmangel liegen:

 

- einerseits in einem häufigen Mehrbedarf bei vielen Menschen, bei Frauen, bei Schwangeren, Kindern, Jugendlichen, Vegetariern, Veganern, Sportlern, bei Frauen durch die regelmässigen oft verstärkten Menstruationsblutungen mit einem jährlichen Blutverlust von gar bis zu 2-5 Litern. Mit eine der Ursachen ist hier die häufige Östrogendominanz, die u.U. zu verstärkten Monatsblutungen führen kann.

 

- in einer oft nicht optimalen Eisenresorption im Darm durch Ernährungsfaktoren (z.B. Weissmehl bindet Eisen), in einer einer häufig gestörten Eisenaufnahme älterer und erkrankter Menschen, zunehmende autoimmune Darmerkrankungen wie zum Beispiel Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Zöliakie oder das sog. Leaky Gut. 

 

- in einer zunehmend eisenarmen Ernährung (80-90% in den letzten 100 Jahren, siehe Abb. 2) eine weitere wesentliche Ursache des heute häufigen chronischen Eisenmangels. 

 

Nährstoffverluste? Gibt es die?

 

Abb. 1: Steigende Anzahl von wissenschaflichen Untersuchungen zu Nährstoffdefiziten 1992-2017.

Abb 2: Wissenschaftliche Untersuchung zu 80-90% Nährstoffverlusten bei Calcium, Magnesium und Eisen bei bestimmten Gemüsesorten (Kohl, Salat, Tomaten und Spinat) von 1914-2018. Quelle: pubmed. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=PMC6163803

 

Behandlung des chronischen Eisenmangels: Ernährung, Tabletten oder Infusionen?

 

Der in der Regel empfohlene Ausgleich mit Tabletten, Säften oder gar Ernährung gelingt mehr als selten wie Erfahrungen aus 25 Jahren oraler Eisentherapie zeigen. Das Maß des Behandlungserfolges wäre hier der signifikante Anstieg des sog. Ferritinwertes

 

Dies liegt zum Einen an der relativ geringen Eisenaufnahme über den Darm, sie beträgt nur etwa 5-10% der oral aufgenommenen Eisenmenge, zum Anderen an einer Reihe o.g. Faktoren, die eine Eisenresorption behindern. 

 

Die im Mittel fehlenden 500 - 2000 mg Eisen ließen sich so grob gerechnet nur über etwa 1000 Steaks (200 kg rotes!, nicht weisses Fleisch), 20.000 Teller Linsensuppe oder etwa 100-200 Flaschen Eisensaft auffüllen.

 

Orales Eisen führt bei Vielen zudem zu teils erheblichen gastrointestinalen Beschwerden (Magenschmerzen, Verstopfung). In der Regel wird die Behandlung daher nach kurzer Dauer abgebrochen. Das  Auffüllen leerer Eisenspeicher gelingt zuverlässig in der Regel nur über Eiseninfusionen.

 

Bei bis zu 60-90%  der Menschen bessern sich die Beschwerden, Müdigkeit und Energieverlust erfahrungsgemäss innerhalb von 3 bis 12 Monaten. Der Stoffwechsel kommt in Schwung, Haut und Haare und andere Beschwerden bessern sich.

 

Allerdings, und das ist von größter Bedeutung: Auch die Eisentherapie sollte sich immer in ein biologisch-medizinsches Gesamtkonzept einbinden. Denn:

 

"Eisen ist nicht alles, aber ohne den Energieträger Eisen ist Alles nichts."

    

Hinter die Kulissen geblickt: Warum der chronische Eisenmangel so selten erkannt wird

 

Warum der chronische Eisenmangel so selten erkannt wird hat eine Reihe von Gründen:

 

•   Viele Menschen gewöhnen an den chronischen Eisenmangelzustand und bemerken den schleichenden Energieverlust oft nicht. Eine nicht selten um 20-40 % erniedrigte körperliche Energie und Lebensqualität wird zunehmend als "Normalzustand" vermutet. "Man gewöhnt sich eben daran, das ist das Alter, damit muss man leben". Immer mal wieder Müdigkeit, Schlappheit, dünnes Haar, Haarausfall und trockene, unreine Haut werden hingenommen und nicht der chronischen Unterversorgung mit Nährstoffen und Eisen zugerechnet. Die Körperwahrnehmung ist ein weiterer Faktor. 

 

•   Überhaupt erst dann wenn echte Krankheitssymptome (der Körper verzeiht bis 90% Fehlverhalten) auftreten führt dies zum Gang zum Arzt. Hier ist dann oft aber "Alles in Ordnung". Es werden nicht immer die zielführenden Werte bestimmt. Nur der sog. Hb-Wert wird meist untersucht. Und noch am unteren Messwert wird dies als Normalzustand betrachtet: "Alles in Ordnung". Die Beschwerden aber bleiben. 

 

•   Die Diagnostik des chronischen Eisenmangels setzt die Untersuchung spezifischer Blutmarker voraus. Diese Spezialuntersuchungen werden zu selten durchgeführt. Die Beurteilung setzt zudem spezielle Erfahrung des Arztes voraus. Man muss den Eisenmangel trotz noch ausreichender Hämoglobinwerte (Blutfarbstoff) erkennen. Hinweisend ist hier auch die sog. Klinik, also Beschwerden und Erscheinungsbild des Menschen: wie z.B. dunkle Augenränder, blassfahle Gesichtsfarbe, blässliche Lippen, bläuliche Skleren (das weisse im Auge) u.a. Der chronische Eisenmangel ist für den Geübten eine "Blickdiagnose". 

 

   Gemäss der in Deutschland gültigen Leitlinie zur Eisenmangelanämie aus dem Jahre 2011 ist der Arzt gehalten den Hb-Wert (Blutfarbstoff) als Parameter für die Verordnung von Eisentabletten heranzuziehen. Erst wenn der Hb-Wert bei Frauen unter 12 g/dl (7,4 mmol/l) und bei Männern unter 13 g/dl (8,1 mmol/l) sinkt soll behandelt werden.

 

Dies ist aber oft zu spät. Vor allem dann wenn nach oft jahrelangem Eisenverlust bereits teils erhebliche Beschwerden bestehen, die in der Regel nicht dem Eisen zugeordnet werden.

 

 

Kaum bekannt: Das "Eisenmangel Syndrom"

 

Auch wenn bereits Ende der 1950 er Jahre erstbeschrieben ist das sog. Eisenmangelsyndrom weithin in Vergessenheit geraten. Beim Eisenmangel-Syndrom zum Einen und der echten Blutarmut (Anämie) zum Anderern handelt es sich in einer integralmedizinischen Betrachtung um zwei verschiedene Krankheitsbilder. 

 

Bereits 1957 wurde das Eisenmangelsyndrom (IDS) an der Universität Innsbuck erstbeschrieben, 1971 an der Charite in Berlin bestätigt und 1998 in der Schweiz wiederentdeckt. In der Schweiz gilt das Eisenmangel-Syndrom heute als anerkanntes Krankheitsbild. In anderen Ländern ist es bisher entweder nicht bekannt, bzw. als solches nicht anerkannt.

 

Uneinheitliche Normwerte für Eisen ("Ihre Werte sind in Ordnung") ein unklares Beschwerdebild ("Das ist Burn-Out oder Psyche") oder Unkenntnis der Bedeutung der hochspeziellen Laborwerte sind die Gründe für die oft fehlende Diagnosestellung.  

 

Eisenmangel - Diagnostik: Der bedeutungsvollste Wert, das Eisenspeicher-Protein Ferritin (+CPR)

 

Die offiziellen Grenzwerte für das Serum-Ferritin liegen für Frauen bei 6 bis 120 ug/l und für Männer bei 10-400 ug/l. Es stellt sich die Frage warum hier unterschiedliche Normwerte für Frau und Mann und unterschiedliche Normwerte von Labor zu Labor existieren?

 

Aus guten Erfahrungen in anderen Ländern ist bekannt, dass ein standardisierter Normwert von um 150-300 ug/l - und zwar auch bei Frauen - die besten Ergebnisse und wenigsten Beschwerden bei guten Reserven zeigt.

 

Wissenschaftliche Arbeitskreise arbeiten inzwischen an einer Optimierung der reinen Hb-Wert Sichtweise, die erst bei einer echten Blutarmut überhaupt  handelt. Für viele Eisenmangel Situationen liegen konkrete Vorschläge vor, das Ferritin als Mass für einen Eisenmangel heran zu ziehen. Und hierbei langt es dann auch nicht nur die Untergrenze zu betrachten, sondern es sollten um Reserven zu bilden Werte um 20 % über dem Mittelwert erreicht sein. Viele wissenschaftliche Studien belegen positive Effekte einer Behandlung schon bei leeren Eisenspeichern und nicht erst bei der Blutarmut (Anämie).

 

 

Abb. 1. - Typischer Befund einer Patientin - die den Weg aus Spanien via Internet zu uns fand - mit jahrelangen starken Menstruationsblutungen und erheblichsten Beschwerden. U.a. der Eisenvorrat (Ferritin) ist mit dem Wert 3 extrem geleert. Weniger geht fast nicht. Vom Hausarzt - wie so häufig - lediglich orales Eisen ohne Erfolg. Der wichtige CRP Wert ist übrigens nicht erfasst.

 

Hier braucht es u.a. Eiseninfusionen und in kurzer Zeit steigen die Werte wieder und die Beschwerden verschwinden. Ideal sind Ferritinwerte über 150 - 200,  durchaus also im männlichen Bereich. Das Transferrin (die "Einkaufstasche"), mit der das freie Eisen in das Eisenregal, den Eisenvorrat (das "Ferritin") gebracht wird, ist gerade eimal zu 7% gefüllt, also praktisch leer.

 

Die Ursache liegt hier allerdings wie so oft nicht in der Eisenzufuhr, sondern darin begründet, dass diese Patientin jährlich geschätzt etwa 3 bis 5 Liter Blut durch ihre starke Menstruation verliert. Die Retikulozyten, ein Mass für die Blutneubildung, sind hier nicht bestimmt, dürften aber extrem erhöht sein. Eine starke Menstruation kann mit bis zu 400 ml Blutverlust einhergehen. Dies entspricht einem monatlicher Aderlass und/oder einer monatlichen Blutspende. Der Körper ist hier also dauerhaft mit der extremen Blutneubildung beschäftigt und verwendet hierfür einen Großteil seiner Energie. Dennoch: In schulmedizinischer Diktion gilt dies nicht als Krankheit, sondern lediglich als Störung des Befindens.

 

 

Eisendiagnostik Inside: Die Sache mit den Normwerten

 

Konfusion?

 

Wie bei vielen anderen Blutwerten, herrscht auch bei der Labordiagnostik und der Normwertbildung des Eisenstoffwechsels eine gewisse Konfusion. Die Normwerte schwanken hier zum einen von Labor zu Labor, als auch von Bestimmungssystem zu Bestimmungssystem. Desweiteren sind Normwerte oft unexakten Grenzwerten unterworfen. 

 

40 - fache Schwankungsbreite?

 

Wenn dann noch eine enorme 40 - fache Schwankungsbreite des  Ferritin "Normalwertes" von 10 bis 400 ug/l besteht, lässt dies zumindest Zweifel an der exakten Wertigkeit einer Normwertbildung aufkommen. Einen Wert von 11 wäre demnach noch "normal". Die Untergrenze für Ferritin wird aber auch nach Meinung anderer Experten (1,2,3) mit bis zu 20 ug/l als zu deutlich niedrig angesetzt.

 

Unter 70 ist mit Haarausfall zu rechnen. Optimal mit einem guten Sicherheitspuffer sind 150 - 200, und bei Männern bis zu 300.

 

Normwertbildung aus Patienten?

 

Normwerte werden gewonnen indem man Datenkollektive von Großlaboren zusammenfasst und eine Verteilung errechnet. Da aber 30-50% der Frauen im Menstruationsalter ohnehin bereits unter einem chronischen (Speicher-) Eisenmangel leiden, ohne eine Anämie unter 12g/dl zu besitzen und/oder ohne symptomatisch krank zu sein, sinkt der durchschnittliche Normwert dadurch ab.

 

Mangel wird zur Norm?

 

Der Mangel oder die chronische Unterversorgung mit Eisen wird so zur Norm, zum Normwert. Aus Sicht der Komplementärmedizin sollten der Ferritinwert 20% über dem Mittelwert männlicher Werte sein, also durchaus 150 - 250 ug/l  sein. Insbeondere dann wenn bereits (oft unspezifische) Beschwerden vorliegen.

 

Eisenmangel lässt sich oft "sehen"

Die Blutwertgläubigkeit, oder "Wo bleibt der Diagnostische Blick?"

 

Mit eines der grössten Probleme sog. Moderner Medizin ist die apparative und Blutwert-Diagostikgläubigkeit. So wertvoll diese Methoden -  gezielt eingesetzt - auch sind, zu Beginn jeder Behandlung gehört immer die genaue Befragung und der sog. "Klinische Blick". Dies ist nicht unmodern, sondern nach wie vor die Basis jeder ärztichen Behandlung.

 

Gerade beim Eisenmangel jedenfalls ist dem Geübten dieser bereits schon beim Blick ins Gesicht (Antlitzdiagnostik) erkennbar. Ferritinwerte kann man mit einger Übung nicht selten sehen: blassfahles Gesichtskolorit, dunkle Augenränder, blaue Skleren, blässliche Lippen, dünne Haare ("die hatte ich schon immer"), sind häufig untrügliches Zeichen eines chronischen Eisenmangels.

 

Nicht der Blick in die Laborwerte, sondern der in das Gesicht ist immer der erste diagnostische Schritt. Und nicht Normwertfachbetrachtungen sind das Maß, sondern das Befinden der Menschen. Nur das Befinden der Menschen ist das Maß und das ist heute mehr als häufig vermindert. 

 

 

Literatur (Auswahl)

 

1. Schaub et al.: Das Eisenmangelsyndrom IDS (Iron Deficiency Syndrome). Eine multizentrische deskriptive Arzneimittel-Anwendungsbeobachtung. Ars Medici 1/2006: 18—22.

https://www.rosenfluh.ch/media/arsmedici/2008/09/Das-Eisenmangelsyndrom-IDS-Iron-Deficiency-Syndrome.pdf

2. Nielsen P., Eisen – Pharmakotherapie von Eisenmangel und Eisenüberladung. Allgemeine und Spezielle Pharmakotherapie , 12. Auflage, Aktories et al. Eds Kapitel 32. Elsevier

3. Nielsen P., Diagnostik und Therapie von Eisenmangel mit und ohne Anämie. 2. Auflage. UNI-MED, 2016

4. Das Eisenmangelsyndrom, Prof. Dr. med. G. Brüschke, Dr. med. E. Mehls, Berliner Lehrbuch der Charite, 1971, Verlag Aude Curare, Basel Schweiz

5. Die Eisentherapie, Dr. med. Beat Stephan Schaub, SIHO, Verlag Aude Curare, Basel, Schweiz

 

 

DR. MED. GUIDO C. HOFMANN

_____

Arzt, Facharzt für Frauenheilkunde & Geburtshilfe, Komplementärmedizin

(NATUM e.V., DGGG)

 

PRAXIS FÜR

BIOLOGISCHE MEDIZIN

KÖNIGSTEIN IM TAUNUS

______

Biologische Gyn,

Pränatalmedizin Stufe II, 

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Update  4/2022

 

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